HISTORIE

Aus der Geschichte der TG Ravensberg

Im September des Jahres 2001 feierte die TG Ravensberg ihr 75jähriges Jubiläum, ein Fest, von vielen ehemaligen Mitgliedern und Freunden besucht und damit der Beweis, wie verbunden man sich dem Club fühlte - Jahrzehnte hindurch. Ein Beispiel: Fast die ganze Jugendmannschaft von einst war dabei: Landesmeister von 1955, und jetzt aus ehrwürdigen älteren Herren bestehend, die an die Stätte ihrer Erfolge zurückgekehrt war.

Der Club, einer der ältesten Tennisvereine des Landes, hat eine lange und an Erfolgen reiche Geschichte. Es lohnt sich, einen Blick darauf zu werfen.

Gründung im Rahmen des Kieler - Männer - Turn - Vereins (KMTV)

Nach einem lockeren Zusammenschluss tennisbegeisterter "Turner" im Jahre 1925 kam es am 22.Februar 1926 zur offiziellen Gründung der Tennisabteilung des KMTV mit 76 Mitgliedern. Im Vereinsblatt wurde sie als Beweis dafür angesehen, dass "Tennis eine durchaus ernst zu nehmende sportliche Betätigung" sei. So sahen es auch die Spieler, die dann in den Jahren 1930 - 1935, angeführt von George Huch, mehrere Titel als norddeutsche Landesmeister errangen. Übrigens "ganz in weiß" - eine andere Tenniskleidung wäre dem Ansehen des Clubs schädlich gewesen. So stand es jedenfalls im Vereinsblatt. 1930 wurden drei vereinseigene Plätze an der Alsenstraße, Ecke Knooper Weg errichtet, die man 1937 verließ, um an die Gutenbergstraße umzuziehen. In dieser Straße gab es auch - und das schon 1928! - Tennisplätze in einer großen Messehalle, die später dem Bombenkrieg zum Opfer fiel. Im "tausendjährigen Reich" Hitlers zog die Tennisabteilung des KMTV an die Anlage am Wasserturm um, wo sich unsere Spieler und Spielerinnen auch heute tummeln. Die NS-Organisation "Kraft durch Freude hielt ungebeten auf den Plätzen Einzug.
Und dann kamen die Bomben...

Wiederaufbau nach dem Krieg / Selbständigkeit als "TG Ravensberg"

Die Anlage war zerstört; Trichter gähnten in der roten Erde. Sie mussten zugeschüttet werden, ein Wasserhahn war zu installieren, einen Schuppen galt es zu bauen; das alles wurde mit viel Einsatz und Idealismus bewältigt; schwerer war es, rote Erde zu besorgen oder gar Bälle, die man eigentlich nur für Butter, Glühbirnen oder Zigaretten bekommen konnte. Irgendwie schafften es die Mitglieder, die einen großen Teil ihrer freien Zeit für den Aufbau einsetzten. 1949 kam es zum ersten Spatenstich für ein neues Clubhaus.

Vor dem Clubhaus 1955

Auch der Spielbetrieb entfaltete sich, und immer war der Club in den höchsten Klassen des Landes vertreten. Es entwickelte sich eine Geselligkeit im Verein, von der man heute nur träumen kann. An den Clubabenden - an jedem Donnerstag wurde getanzt! - beteiligten sich fast alle Mitglieder, die Endspiele der Vereinsmeisterschaft fanden gut hundert begeistert mitgehende Zuschauer. 1960 löste sich die Abteilung, inzwischen groß und selbständig geworden, aus dem KMTV und nannte sich fortan "TG Ravensberg". Als anhaltende Bereicherung für das Kieler Tennisleben führte sie seit 1951 die Kieler Stadtmeisterschaften durch, einen Höhepunkt im Sportleben der Stadt, vor so vielen Zuchauern, dass man sich rechtzeitig um einen Platz bemühen musste, wollte man die Endspiele sehen.

Die erste Mannschaft 1955

Freundschaftsspiele und sportliche Höhepunkte

Auf viele Erfolge können wir zurückblicken, sogar auf eine olympische Goldmedaille, die unser Mitglied Käthe Schmidt-Sohnemann 1936 im Turnen gewann. Aber es ging nicht nur um sportliche Lorbeeren - die TGR war im Bereich der Freundschaftsspiele wohl der rührigste Verein in Schleswig-Holstein. Mit Damen und Herren und Schlachtenbummlern reiste man nach Bad Harzburg, Marburg, Leipzig, Berlin, Kopenhagen, Hannover, Schwerin und Leipzig; fast jedes Wochenende war verplant, und immer gab es auch Rückspiele und Feste im Ravensberger Clubhaus, die Legende wurden. Zur Kieler Woche luden wir Tennisspieler englischer und amerikanischer Kriegsschiffe ein, und es ging hoch her: Kadetten der "Wasp" lerrnten bei uns das Grogtrinken; am nächsten Morgen sollten sie nach Berlin fliegen; die Reise fand nicht statt. Unvergesslich sind allen Beteiligten die Reisen nach Leipzig in unserem damals geteilten Land. Es entstanden Freundschaften über die Mauer hinweg, mehrfach kamen die Leipziger zu uns, dankbar und glücklich, die Grenze überwunden zu haben. Einer nutzte, sein gutes Recht, den Besuch zur Flucht, was natürlich das Ende Sportverkehrs mit der DDR bedeutete. Die 60er Jahre könnten als Zeit des Reisens und der fröhlichen Freundschaftsspiele (die es heute gar nicht mehr gibt) in die Geschichte des Clubs eingehen.

Die eigentliche Leistungsexplosion im Sport erfolgte in den 70er Jahren. Die TGR war als einziger Verein des Landes mit Damen, Herren und Senioren in der Regionalliga vertreten, es gab sogar ein Aufstiegsspiel zur Bundesliga (!), 1975 gegen Frankfurt, das mit mehreren deutschen Ranglistenspielern antrat und uns den Zugang zur höchsten deutschen Spielklasse verwehrte. Unser Junior Wolfgang König wurde deutscher Meister, Imke Butenop gewann 1973 die Landesmeisterschaft in drei Konkurrenzen, Heiner Rüschmann wurde zweimal Landesmeister, Uta Lippold gewann diesen Titel im Abonnement und platzierte sich für die deutsche Rangliste.

Die Herrenmannschaft war in Schleswig-Holstein nicht zu schlagen. Damals gab es glänzendes Tennis auf unseren Plätzen zu sehen. Von weither kamen Zuschauer zu den Punktspielen. Es war eine Zeit, in der unser Schlachtruf "Vorhand, Rückhand, Schmetterball - Ravensberg siegt überall" wirklich berechtigt war. Am Rande: Der Club hatte in den 70er Jahren mehr als 500 Mitglieder!

Vom Hannes-Flechsig-Turnier bis heute

1967 richtete Hannes Flechsig, unterstützt von Imke Butenop und Guda Baldus, ein Bambino-Turnier ein, das ein Begriff für ganz Norddeutschland wurde und bis heute besteht. Die Jüngsten spielen zu sehen (unter ihnen Michael Stich), sich mit ihnen über Luftballons und Eisschlachten zu freuen - das war ein jährlicher Höhepunkt auf der Anlage am Ravensberg und wird es hoffentlich bleiben. Womit wir bei der Gegenwart und Zukunft sind, die schwerer zu bewältigen sind als viele zurückliegende Jahre. Wir haben nicht mehr so viele Mitglieder, das Geld ist knapp, und an die erwähnten sportlichen Erfolge müssen wir erst noch anknüpfen, aber gerade jetzt, in der Saison 2002 gibt es nach vilen Schwierigkeiten einen Aufwärtstrend: eine neue Bewirtschaftung im Clubhaus mit viel Engagement, einen neuen Platzmeister, neue Mitglieder und ein spürbares Anwachsen des Spielbetriebs: Die TGR ist auf einem guten Weg, und das ist auch gut so, angesichts einer Vereinsgeschichte, die sich sehen lassen kann!

Hans Eckert

"Die vier Präsidenten"

v.l. Sonne Conradi, Dr. Hannes Flechsig, Dr. Hans Eckert, Dr. Karlheinz Schmans.

Die Präsidenten der TGR von 1946 bis heute

Heinz Eckert 1946-1948
Eugen Schulz 1948-1955
Sonne Conradi 1955-1962
Dr. Karlheinz Schmanz 1962-1964
Dr. Hans Eckert 1964-1968 und 1972-1985
Dr. Hannes Flechsig 1968-1972
Thomas Schlüter 1985-1997
Dr. Volker Staats † 1997- 2005
Wlodzimierz Brühl 2005